🌙🍇 Nachts in den Weinbergen

Das tiefe Surren in der Ferne ist kaum zu überhören. Sie sind wieder unterwegs. Schnell in die Hose geschlüpft, den Pullover übergezogen und den fertigen Rucksack aus der Ecke geschnappt. Keine zehn Minuten später stehe ich auf einer der höchsten Erhebungen des Tunibergs und lasse die Drohne in die Dunkelheit steigen.
Die grünen LEDs an ihren vier Armen blinken noch für einen Moment über mir. Dann werden sie kleiner und kleiner, bis sie schließlich in der Nacht verschwinden. Irgendwo dort draußen ziehen die Vollernter ihre Bahnen durch die Weinberge.

Die Mavic 4 Pro ist mit einer sehr lichtstarken Hauptkamera ausgestattet, mit der ich die Vollernter auch in nahezu völliger Dunkelheit schnell finden kann. Den Winzer, der zwei Häuser weiter wohnt, habe ich über mein nächtliches Vorhaben informiert, damit er sich nicht wundert, was dort plötzlich blinkend über seiner Maschine schwirrt.
Sehr beeindruckend, wie sich diese Maschine ihren Weg durch die einzelnen Rebzeilen bahnt. Mit ihren vielen Scheinwerfern sieht sie in der Dunkelheit fast aus wie ein Fahrzeug von einem anderen Planeten, das gekommen ist, um sich die Ernte einzuverleiben.
Im Inneren des Vollernters versetzen zahlreiche Rüttelstäbe die Rebstöcke beziehungsweise die Fruchtzone in schnelle Schwingungen. Dadurch lösen sich die Traubenbeeren und fallen auf Auffangeinrichtungen unterhalb der Reben. Von dort werden sie über Förderbänder nach oben in einen großen Behälter - den sogenannten Traubenbunker - transportiert. Ist dieser voll, wird das Lesegut mechanisch auf einen bereitstehenden Anhänger übergeben.
Welche enorme Arbeitsleistung in einer solchen Maschine steckt, zeigt ein Vergleich: Für die Handlese eines Hektars Rebfläche werden etwa 200 bis 230 Arbeitskraftstunden benötigt. Ein Vollernter kann die gleiche Arbeit (sofern keine selektive Lese erforderlich ist) in nur etwa 4 bis 5 Arbeitskraftstunden erledigen.
Dass die Maschinen bereits mitten in der Nacht unterwegs sind, hat übrigens nicht nur mit der enormen Fläche zu tun, die während der Weinlese abgearbeitet werden muss. Die kühlen Nachtstunden bieten einen weiteren Vorteil: Die Trauben können mit einer deutlich niedrigeren Temperatur geerntet und zur weiteren Verarbeitung gebracht werden.
Genug der Technik. Viel eindrucksvoller als jede Beschreibung sind ohnehin die Bilder, die in dieser Nacht entstanden sind 🌙🚁🍇
Als ich wenig später wieder nach Hause fuhr, waren die Vollernter noch lange nicht fertig. Ihre Scheinwerfer wanderten weiter durch die Rebzeilen und das tiefe Surren war noch zu hören, als ich längst wieder im Ort war.




Sehr schöne Bilder mit informativen Beitragen :-)